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Stierhatz in Spanien beginnt wieder

Stierhatz in Spanien beginnt wieder
Artikel vom:
05.07.2011
Quelle:
Pressemail
Autor:
Deutscher Tierschutzbund

Artikel Inhalt

Pressemeldung vom 05.07.2011 Deutscher Tierschutzbund 

Stierhatz in Spanien beginnt wieder 

Ab morgen werden wieder Stiere durch die Altstadtgassen von Pamplona, Spanien, getrieben. Unter dem Deckmantel der Kulturtradition erwartet die völlig erschöpften Tiere nach der Hatz der Tod in der Arena. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert diese Tierqual und appelliert an alle Touristen diese und ähnliche Veranstaltungen nicht durch ihren Besuch zu unterstützen. Während Katalonien Stierkämpfe bereits verboten hat, setzt sich Frankreich dafür ein, die Tierqual als immaterielles Kulturgut zu legitimieren.  Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert dies scharf.
 
„Diese Stierhatz ist weder Kultur noch Sport. Es ist eine überflüssige Tortur“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.  Beim Fest des Heiligen Fermín (6. bis 14.7.) in Pamplona werden die Tiere jeden Morgen von einer Koppel quer durch die Stadt in die Arena getrieben. Die Stiere rutschen dabei immer wieder aus, stürzen und erleiden Schmerzen, Angst und Panik. Schaulustige – unter ihnen viele Touristen – versuchen neben den Tieren durch die engen Altstadtgassen her zu rennen. Jährlich werden dabei Menschen schwer verletzt, es gab auch schon mehrere Tote. Im folgenden Kampf in der Arena werden die Tiere abends von den Toreros getötet.
 
Die Hatz („encierro“) ist durch Ernest Hemingways Roman „Fiesta“ (1926) weltbekannt geworden. Seitdem besuchen vor allem Touristen diese und andere Stierkampf-Veranstaltungen. Nur rund 14 Prozent der Spanier besuchen solche Ereignisse. „Wer Stierkämpfe oder –rennen wie in Pamplona als fröhliche Tradition feiert, legitimiert und finanziert den Tod der Tiere“, so Apel weiter. Pro Jahr werden in Spanien etwa 2.000 Stierkämpfe durchgeführt, auch für das Training der Toreros werden Tiere „verbraucht“ – insgesamt kommen so pro Jahr ca. 30.000 Tiere zu Tode.
 
Im vergangenen Jahr hat das katalanische Parlament für ein Verbot des Stierkampfes in der Region gestimmt. Ab 2012 dürfen diese Kämpfe nicht mehr in Katalonien stattfinden. Parallel plante die Regionalregierung Madrid Stierkämpfe als Kulturgut zu deklarieren und damit auf eine Stufe mit Museen oder Theatern zu stellen – Fördergelder inklusive. Trauriges Vorbild ist nun Frankreich geworden: Dort ist der Stierkampf seit April 2011 Teil der Liste des nationalen immateriellen Kulturgutes. Ein Zusammenschluss von 46 südfranzösischen Städten, in denen regelmäßig Stierkämpfe organisiert werden, will damit ein Verbot solcher Veranstaltungen verhindern. Der Deutsche Tierschutzbund fordert dazu auf, diese Art von Spektakel in Frankreich ebenfalls zu meiden.