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Keine Chance für Sauen und Ferkel

Keine Chance für Sauen und Ferkel
Artikel vom:
20.07.2011
Quelle:
Pressemail
Autor:
Deutscher Tierschutzbund

Artikel Inhalt

Pressemeldung vom 20.07.2011 Deutscher Tierschutzbund

Keine Chance für Sauen und Ferkel

BUND und Deutscher Tierschutzbund kritisieren fehlenden Brandschutz für tausende Sauen und Ferkel in Sauenanlage Alt Tellin (Mecklenburg-Vorpommern). Pläne für größte Sauenanlage Europas in Alt Tellin verstoßen gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und die Landesbauordnung.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutsche Tierschutzbund halten den Brandschutz für die größte geplante Sauenanlage Europas in Alt Tellin im Landkreis Demmin nach den vorliegenden Plänen für nicht gegeben. Ein von beiden Organisationen in Auftrag gegebenes Gutachten belegt, dass in der geplanten Anlage für Tiere und für Personal keine ausreichenden Evakuierungsmöglichkeiten bestehen.

„Das vorgelegte Brandschutzkonzept ist schwer fehlerhaft! Weder tausende Sauen noch zehntausende Ferkel könnten im Brandfall schnell genug die Anlage verlassen. Sie müssten qualvoll verenden. Aber auch das Personal und die Brandhelfer, welche die Tiere retten sollen, würden durch tausende Tiere in Panik in viel zu engen Gängen unzulässig gefährdet werden“, sagt Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Gutachten zeige, dass das von Antragsteller Straathof vorgelegte Brandschutzkonzept von fehlerhaften Grundannahmen ausginge. So entsprechen die errechneten Evakuierungszeiten des Brandschutzkonzeptes in keiner Weise den Tatsachen. Die notwendigen Evakuierungszeiten wären um ein Vielfaches länger. Corinna Cwielag: „Die veranschlagten Laufweglängen der Anlage sind einfach viel zu kurz angesetzt. Die angenommenen Laufgeschwindigkeiten für Schweine sind dagegen viel zu hoch. Für Hausschweine wurde die von Wildschweinen erzielbare Geschwindigkeit von 55 Kilometern pro Stunde angesetzt! Eine Hausschweinsau kann diese Geschwindigkeit aber nie erreichen. Es ist belegt, dass Schweine beim Treiben durchschnittlich eine Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Stunde zurücklegen. Zusätzlich wird mit viel zu niedrigen Tierzahlen gerechnet. Statt 17.920 Ferkel wurden für die Evakuierung eines Stallabschnittes nur 1.050 angenommen. Nach den Berechnungen des Antragsstellers könnten unmöglich alle Tiere gerettet werden.“

Der BUND sieht mit dem fehlenden Brandschutz einen Verstoß gegen die Brandschutzvorschriften der Landesbauordung und gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung des Landes und hat sich an die zuständigen Behörden gewendet.

Corinna Cwielag: „Es ist fraglich, ob für Tierbestände mit mehr als 10.000 Muttersauen und tausenden Ferkeln überhaupt effektiver Katastrophenschutz erreicht werden kann. Da es noch keine derartig große Anlage in Europa gibt, liegen keine Erfahrungen vor. Sicher ist aber, dass für die vorgeschriebene Rettung erhebliche Änderungen an der Bauform der Anlage vorgenommen werden müssten. Von den Behörden erwarten wir deshalb noch vor der Baufortsetzung Auskunft, ob die Genehmigung trotz der eklatanten Fehler aufrecht erhalten bleibt. Die Rechtsverstöße machen wir auch zum Gegenstand unseres laufenden Widerspruchsverfahrens gegen die Genehmigung der Anlage durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Neubrandenburg.“

Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: "Es ist untragbar, zehntausende von Tieren unter grausamen Bedingungen halten zu wollen. Aber nicht einmal die Rettung dieser Tiere im Brandfall durch ein geeignetes Konzept zu sichern, zeigt die moralische Verrohung. Gemeinsam mit unserem Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern fordern wir eine konsequente Umkehr von der bisher verfolgten Politik hin zu einer tierschutzkonformen und umweltverträglichen Landwirtschaft. ‚Bauernhöfe statt Agrarfabriken’. Das muss der Weg sein, das ist auch der Wunsch der Verbraucher."