Benji

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"Sir" Benji


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2. August 2012

Liebe Frau Fleßner, liebe MitarbeiterInnen im TSV Sadelkow!

Ich habe heute unseren Sir Benji einschläfern lassen. Er hat in der letzten Zeit doch sehr an Kraft verloren, lief schief, sackte hinten immer öfter weg und kam manchmal ohne Hilfe garnicht mehr hoch, er hatte heute einen Zusammenbruch, einen Krampfanfall, bedingt auch durch Durchblutungsstörungen. Aus meiner Sicht sind wir, was seine Lebensqualität anbelangt an die Grenze gekommen. Ich wollte nicht, dass er mehr leidet und das schlimmste was man ihm antun konnte war, wenn er seinen Bewegungsdrang, sprich sein laufen um die Welt zu retten, nicht mehr ausleben konnte. Wir vermissen ihn heute und werden ihn noch sehr lange Zeit noch sehr sehr vermissen, insbesondere ich, er hat meinen ganzen Alltag bestimmt, war morgens um fünf mein Wecker, denn er hatte ja schon früh Appetit, danach das spannende Gassi gehen, mit oder ohne Beute, seine kleinen Überraschungen, wenn ich nach Hause kam und ich ihn waschen musste, weil er durch sein AA gelatscht ist und er sich fröhlich damit revangierte, mir die Wasserschüssel über den Strumpfsockenfuß zu kippen, das war für mich nicht wirklich schlimm und wenn er nach dem Abendessen, auch wenn es ihm noch so schlecht ging, er sich doch sofort irgendwie noch in die Küche begab, um das Nachtischleckerli zu fordern, er war so ein lieber Knaller von morgens bis abends und manchmal auch mitten in der Nacht. Aber es war schlimm für mich, zu sehen, wenn ihn die Kraft verlässt und die Angst, er quält sich, wenn er allein ist und ich ihm nicht helfen kann und das Gefühl, dass ihn doch auch immer mehr seine Knochen schmerzten. Ich denke, unsere Tierärztin auch, es war ok so, für mich war es aber dennoch sehr schwer. Er schlief auf meinem Schoß mit Frolic ein und er kommt nach der Einäscherung zurück und darf sich mit Paula den Platz in der bunten, fröhlichen Hundedose teilen.

Wir sind dankbar für die fröhliche Zeit mit ihm, mein treuester Schatten wich nur von mir, wenn er aufgrund seiner Sehbehinderung den Anschluß verpasst hat.

Anbei ein Bild von ihm, bei dem er sich von der Überwachung unserer Heckenschneideaktion ausruhen musste, im Laub.

Traurige Grüße
A.M. und T.P. mit den Mädels

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28. März 2012 
Das „Happy Never Ending“ von Sir Benji

Unser kleiner „Opi“, Sir Benji wurde am 02.03.2011 aus einem Straßengraben geklaubt und kam nach Sadelkow. Seine damals geschätzten 12 Jahre, in denen Streicheleinheiten und Liebe wohl Fremdworte waren, hatten starke Spuren hinterlassen. Er war durch und durch marode, alles was man sich bei einem alten Hund so denken kann. Wir wollten ihm seine letzte Zeit möglichst schön gestalten und nahmen den kleinen tauben Blindfuchs im Mai 2011 zu uns und den beiden Hündinnen auf. Ein alter und behinderter aber sehr anspruchsvoller Hund in unserem Haushalt, stellte uns vor einige Herausforderungen. Pflegeleichtes aber glattes Laminat, geht gar nicht mehr, also umdekorieren, Look orientalisch-fetisch, Teppich und Gummiantrutschunterlagen, schön bunt. Nix is mehr mit alles mal eben so rumliegen lassen. Die Wege des Dauerläufers sind immer frei zu halten von Schuhen, Taschen, etc. Eine kleine Rampe um aus der Terrassentür in den Garten zu gelangen, wurde geschaffen und für die Treppe nach oben zum Schlafzimmer ist eine Kindergittertreppentür zur Sicherung vor Abstürzen sehr nützlich. Neben den „baulichen“ Veränderungen wurde auch die medizinische Versorgung optimiert, die Pharmaindustrie hat einen Großkunden hinzugewonnen und die Tierärztin liebt unsere EC Karte wie keine andere. Nun ja, guter Geschmack war immer schon teuer. Hier eine kleine Beschreibung von unserem Sir Benji.

Sir Benji legt großen Wert darauf, von seinen Bediensteten ständig umsorgt zu sein. Abwesenheit des Personals zur Beschaffung finanzieller Mittel wird von ihm durch lautstarke, herzzerreißende Rufe gerügt, die Nachbarn vermuteten gar ein misshandeltes Kind. Pünktlich wie ein Uhrwerk weckt er uns um 06:30 Uhr, dann wünscht er eine Gesichtsmassage mit anschließendem Transport aus unserem äh seinem Schlafgemach ins untere Stockwerk um anschließend einen kleinen Spaziergang, je nach Verdauung, bis zu einer Stunde zu tätigen um dann anschließend sein Frühstück, bitte in genauer Menge, Wärme und Konsistenz zu sich zu nehmen. Abweichungen werden durch „Rückverdauung“ konsequent bestraft. Nach festem, zeitlichem Abstand ist ihm seine Medizin zu verabreichen. Danach wird ein Schläfchen gehalten und die Beschaffung der finanziellen Mittel durch die „Gastgeber“ toleriert. Am Nachmittag wird bei der Rückkehr die für ihn viel zu Lange Abwesenheit der „Gesellschafter“ durch lautes Bellen und anschließenden Tanz durch den Garten kommentiert. Zur Nacht das Mahl, Medizin, romantischer Nachtspaziergang oder Nachtwanderung, je nach Verdaulichkeit, Zahnhygiene und Geleit und Transport ins Schlafgemach.
Ach ja, auf seine Garderobe legt er ebenfalls großen Wert! Eine pinkfarbene Winterjacke (kleiner Exzentriker) bei Kälte und ein blauer Regenmantel sind je nach Winterung von ihm gewünscht. Das hört sich jetzt alles sehr nach Routine an, dem ist auch so, aber um die ganze Sache mit Spannung zu versehen, täuscht der kleine Herr gelegentlich ein baldiges Ableben vor, versetzt sein Personal in Angst und Schrecken, Noteinsatz in der tierärztlichen Praxis, „Sonderurlaub“ zur Pflege des sich in Lebensgefahr befindlichen Aristokraten um dann anschließend, wie Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen. Aufgrund seiner altersbedingten Behinderung der Sinnesorgane, blind wie ein Maulwurf, taub – vielleicht täuscht er das auch nur vor – ist er nicht besonders am Kontakt zu seinen Artgenossen interessiert und er möge mir verzeihen, er ist auch etwas schusselig und vergisst oft, was er wollte, läuft er zur körperlichen Auslastung zwischen den Ruhepausen ununterbrochen durch das Anwesen oder verfolgt das Personal um eine Zwischenmahlzeit zwischen die Zähne zu bekommen. Ach ja, es liegt wohl eine entfernte Verwandtschaft zu „Schnappi“ dem Krokodil vor. Alles was vor seinem Gesichtsfeld auftaucht, könnte essbar sein und muss von ihm umgehend gesichert werden. Aber er zeichnet sich auch durch deutsche Tugenden aus. Er läuft und läuft und läuft, ist stets pünktlich, sehr sehr treu, robust und haltbar.
Das Vorhaben, ihn als Dienstherrn mit eventuell baldigem Verscheiden mit angemessener Distanz und Kontrolle etwaig aufkommender Zuneigung oder gar Liebe zu behandeln, ist im Laufe der vergangenen Monate gänzlich gescheitert.
Ein Blick beim morgendlichen Erwachen – nach Kontrolle der Vitalfunktionen – in seine Augen, seine niedlichen Mausgrauen Gesichtszüge und Barthaare, sein genüssliches Brummen bei der Gesichtsmassage, seine freudige Begrüßung bei der Heimkehr, seine plötzlichen Energieschübe mit anschließendem Galopp durch den Garten oder auf der Straße, seine zarten Annährungsversuche möglichst dicht bei den Pausen am Personal zu ruhen, sein charmantes Wippen der Ohren beim Spaziergang im Takt der Schritte, seine etwas schusselige Art bei der Nahrungsaufnahme, er schafft es mit einem Bein in der Wasserschüssel zu stehen und gleichzeitig aus der anderen Schüssel zu fressen um anschließen das Wasser doch noch über den Boden zu kippen, seine Schattenspiele bei Dunkelheit, er folgt dem Schatten des Begleiters, nicht der Person selbst, und und und, machen ihn zu einem Herzensbrecher, den man keinen Tag mehr missen möchte.

Stets zu Diensten Sir Benji und „Happy Never Ending“!

A.M.

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